Tagebuch des Philipp Haarstick

Seereise von Bremen nach Singapore und Batavia und zurück

Als im April 1860 der 1. Bremer Staatschemiker Friedrich August Haarstick seinen 16jährigen Sohn Philipp auf eine Reise mit der Bark „Thusnelda“ nach Ostasien schickte, da nicht deshalb, weil der Junge Seemann werden sollte. Vielmehr meinte der Vater, daß Philipp sich einmal Wind um die Nase wehen lassen und fremde Länder und Leute kennenlernen sollte. Und so geschah es denn auch.
Bevor Philipp Haarstick (16 Jahre alt) das Wort ergreift, lesen wir den Brief den ihn sein Vater Friedrich August Haarstick (46 Jahre alt) mit auf die Reise gab:

Brief des Vaters

Vaters Brief

Dein Lebelang habe Gott vor Augen u. im Herzen und hüte Dich, daß Du in keine Sünde willigst noch thuest gegen Gottes Gebot.
Jeden Morgen u. jeden Abend bete zu Gott. Vergiß das nicht, versäume es nie. So lange Du es thust und solange Du gut u. treu bleibst wird Dir Gottes Beistand nicht fehlen, auch wird Dir in Gefahr und im Unglück die Hoffnung nicht verloren, und Du wirst immer fähig sein mit Muth und Besonnenheit, mit Ausdauer u. Ruhe dem Unangenehmen entgegen zu treten. Suche es Dir anzugewöhnen, aber sogleich von dieser Stunde an suche es zu lernen, daß Du alles was Du etwa zum Vergnügen thun willst, alles wozu Dich jemand bereden, überreden oder verführen will, nicht schnell thust, sondern zögere u. frage Dich erst, ob es Dir Nutzen, Gefahr oder Schaden bringen, frage Dich ob Du es auch in Gegenwart Deiner Eltern thun würdest.
Denke immer daran, daß Du nur bei voller Gesundheit Seemann sein kannst, darum such Dir die Gesundheit zu erhalten u. alles ihr Schädliche zu vermeiden.
Sei sparsam. Wende, wie man zu sagen pflegt, jeden Groten zweimal um, ehe Du ihn ausgibst, denn es könnte leicht geschehen, daß Du alles was Du bedarfst selbst verdienen mußt.
Dafür es nöthig ist den Befehlen Deines Capitains zu gehorchen, streng und schnell, brauche ich Dir kaum zu sagen, ich bin überzeugt, Du thust es immer gern u. willig, und es wird Dir dann die Liebe Deiner Vorgesetzten nicht fehlen.
Denke oft daran, daß ich Dich im Bilde täglich sehe, daß ich die Hoffnung hege,
Du wirst Dich gut, brav, ehrenhaft betragen. Mache diese Hoffnung zur Wahrheit. Gottes Segen und meine besten Wünsche begleiten Dich.

Dein Vater.

Tagebuch des Philipp Haarstick, Bremen

Tagebuch des Philipp Haarstick, Bremen

Abgedruckt in:
Der Albatros – Mitteilungsblatt der deutschen Cap Horniers
Heft 3, 35. Jahrgang 1990
(Das Original des Tagebuches liegt im Bremer Staatsarchiv)
www.staatsarchiv-bremen.de
Seereise von Bremen nach Singapore und Batavia und zurück

Am 21. April 1860 musterte ich für die Bremer Bark “Thusnelda” Capt. H. Meier, welche nach Singapore expediert wird und zu Bremerhafen im neuen Hafen lag. Am 23. April um 2 Uhr verließ ich Bremen mit dem Dampfboot “Bremen”, um mich an Bord der “Thusnelda” einzufinden, wo ich um 3 Uhr mit dem Koch und einigen Matrosen ankam. Am 24. und 25. April kam die übrige Mannschaft an Bord und wurde Ballast eingenommen. Am 26. und 23. erhielten wir unseren Proviant an Bord nebst 2 Kanonen, 12 Musketen, Gewehren, 12 große Hausäbel und Pulver und Blei.

Den 28. April um 3 Uhr nachmittags lichteten wir, nachdem wir das ganze Schiff in Ordnung gebracht hatten, die Anker und verließen unter fröhlichem Gesang und Kanonendonner, nachdem der Lootse an Bord gekommen war, die Rehde von Bremerhafen, und da wir günstige Briese hatten, verschwand die Küste Deutschlands bald hinter uns. Am 29. Apr. verließ uns der Lootse, und passierten um 2 Uhr Helgoland; den beiden nächsten Tagen hatten wir sehr schönes Wetter und günstigen Wind.

Tagebuch Peter Haarstick

Erste Seite des Tagebuchs von Philipp Haarstick: “Seereise von Bremen nach Singapore und Batavia und wieder zurück”.

Am 2. Mai um 6 Uhr abends erblickten wir die Küste von England, steuerten N.N.W., nahmen den Lootsen an Bord und liefen am anderen Morgen, nachdem wir ein Dampfboot zum Bugsiren erhalten hatten, in den Hafen von Sunderland, welches unser nächster Bestimmungsort war, ein. Nachdem wir unser Schiff festgemacht hatten, kamen die Steuerofficire an Bord, welche das ganze Schiff nebst unseren Kisten und Kojen fisitirten, und allen Taback und Cigaren welchen sie fanden wurde in die Kajüte geschloßen und versiegelt, damit wir keinen an Land schmuggeln konnten. Am 14. Mai nahmen wir, nachdem unser Ballast gelöscht war, Steinkohlen ein, was höchstens 2 Tage dauerte und von engl. Kohlenstauern gestaut wurden. Am 15. Mai bekamen wir noch mehrere Stückgüter und eine Kanone an Bord.

Am 19. Mai um 3 Uhr verließen wir den Hafen von Sunderland und nachdem uns das Dampfboot hinausbugsiert hatte, traten wir die Reise direct nach Singapore an. Da die See ziemlich hoch ging und der Wind günstig war, liefen wir ziemlich rasch. Am 25. erhob sich ein heftiger Sturm und der Wind schlug um, das Schiff nahm viel Wasser über und stampfte hart, die Marssegel mußten dicht gerefft werden.

Am 26. und 27. Mai hatte sich der Sturm noch nicht gelegt, und die See ging sehr hoch, 2 Mann im Ruder, alle Segel, bis auf das Vorstengstagsegel und Vormastsegel fest. In der Nähe von der Straße von Calais und waren in Gefahr zu stranden. Am 28. Mai wollten wir die Straße von Calais passieren, was uns aber nicht möglich war, da uns der Sturm wieder zurück trieb, und wir mußten kreuzen. Am 29. hatte sich der Sturm etwas gelegt und konnten die Straße von Calais passieren, der Wind wurde wieder günstig.

Am 31. Mai erblickten wir die Insel Wight, liefen ziemlich rasch und hatten schönes Wetter. Wir konnten die schöne Küste von England deutlich erkennen, da wir höchstens 4 engl. Meilen von derselben entfernt waren. Am 3. und 4. Juni erhob sich ein neuer Sturm, welcher auch mehrere Tage anhielt, mehrere Segel wurden vom Winde zerrissen. 2 Mann am Ruder mußten kreuzen.

Am 8. Juni hatten wir wieder klares Wetter und günstigen Wind, passirten die schöne Küste von Falmouth mit den zwei weißen Leuchtthürmen, hatten viele Schiffe in der Nähe. 10 Meil. in der Wache. West war Cours. Am 9. Juni segelten wir mit guter Briese in die spanische See od. Atlantischen Ocean ein und hatten somit den Canal hinter uns. S.W. war Cours.

Am 10. Juni schweren Sturm, das Schiff stampfte hart, 2 Mann am Ruder. Die Marßsegel mußten dicht gerefft werden, passirten mehrere Schiffe. Am 13. Juni erblickten wir Cap Finisterre, die Nordwest Spitze von Spanien. Das Schiff lief zwölf Meilen in der Wache. S.S.W.
war Cours. Nachdem wir mehrere Tage günstige Briese gehabt und durchschnittlich 9 Meilen in der Wache gelaufen hatten, passirten wir am 23. Juni die Insel Madeira, von welcher mehrere Singvögel auf unser Schiff kamen.

Am 1. Juli sprachen wir eine engl. Barke an, welche nach Rangoon bestimmt war, auf den 14° nördl. Breite. Vom heutigen Tage an mußten wir uns ohne Kartoffeln begnügen, da dieselben alle waren. Mehrere Tage Windstille und zunehmende Hitze. Süd war Cours. Am 2. Juli hatten wir 149° Hitze nach Fahrenheit, sahen viele fliegende Fische, Schweinfische, Delphine u.s.w. viele Windstille.

Am 13. Juli Sonntags um 3 Uhr nachmittags passirten wir die Linie auf 27° Länge. Auf diesem Tage wurde die sogenannte tropische Taufe vollzogen. Leichte Briese. Am 28. Juli befanden wir uns auf der Höhe von St. Helena, zunehmende Briese, S.S.O. war Cours. Viele Seevögel ums Schiff. Am 29. u. 30. Juli Sturm und starkes Gewitter während mehrere Segel vom Wind zerrissen wurden, und ein Irrlicht auf der Spitze des großen Mastes sahen. Das Schiff machte 10 Meil. in der Wache, passirten den 32° südl. Breite.

Nachdem wir mehrere Wochen hindurch ziemlich günstige Briese gehabt und sich weiter nichts besonderes zugetragen hatte, passirten wir am 20. August Capstadt, welches wir auf dem 40 bis 45° südlicher Breite umsegelten. Am 21. August fingen wir 2 große Albadroße, welche jeder 11 Fuß klaften, und mehrere andere kleine Seevögel. Das Schiff lief 10 Meil. Ost war Cours. Am 22. und 23. Aug. hatten wir Sturm, so das die Marßsegel dicht gerefft werden mußten, 2 Mann am Ruder, mehrere Sturzwellen zerschlugen die Reling und richteten sonstigen Schaden auf Decken an.

Bark "Thusnelda"

Bark “Thusnelda”, 850 NRT, erbaut 1858 von F. W. Wencke, Bremerhaven, für eigene Rechnung, Kapitän J. K Meyer. In Öl qemalt von C. Fedeler,1869. (Aus dem Bestand des Focke-Museums, Bremen).
www.focke-museum.de

Am 29. Aug. sahen wir, nachdem der Sturm sich etwas gelegt hatte, ein Nordlicht. Am 2. Sept. signalisierten wir mit einem englischen Transportschiff, auf welchem sich ungefähr 400 Soldaten befanden und nach Ostindien bestimmt waren. Günstige Briese. Viele Schiffe in der Nähe. Am 3. Sept. signalisierten wir mit einer engl. Bark, welche von Newport kam und nach Singapore wollte, war 125 Tage in See gewesen, während wir von Sunderland 111 Tage. Das Schiff lief 10 Ml.

Am 10. u. 11. Sept. hatten wir einen Sturm; welcher bald an Heftigkeit zunahm. Das Vormarßsegel und mehrere andere wurden uns von harten Stoßwinden zerrissen. Auch kamen viele Sturzseen über, welche Schaden an der Reling und auf Deck anrichteten. 2 Mann am Ruder.

Am 13. Sept. legte sich der Sturm etwas und wir bekamen günstigen Wind. Am 14. Sept. signalisierten wir mit einem engl. Vollschiffe, welches von Liverpool kam und nach Singapore wollte. Auf dem 68° östlicher Länge. Am 16. Sept. erreichten wir nach mehrtägigem gutem Lauf die Inseln St. Paul und Amsterdam, welche auf dem 73° östlicher Länge liegen. Am 17. Sept. starke Briese, das Schiff macht 10 Meil. O.N.O. ist Cours.

Am 21. Sept. signalisieren wir mit einer Bark, welche ihre Vorbramstenge verloren hatte und nach Melbourne wollte. Wir befanden uns auf dem 92° östlicher Länge. Am 28. Sept. 105° Länge, 10° Breite. Am 30. Sept. erblickten wir die Weihnachtsinseln, das erste Land, welches wir seit wir die Insel Madeira passirt hatten, sahen. Hatten günstige Briese.

Am 1. Oct. machten wir alle Segel außer den beiden Marßsegeln fest, um nicht zu schnell zu laufen. Am 2. Oct. Morgens erblickten wir die Insel Java und liefen in die Sundastraße ein, nachdem wir einige Stunden dicht an der schönen Küste von Java entlang gesegelt waren, sahen wir die Prinzen Insel, welche wie die meisten anderen Inseln mit schönen Waldungen bedeckt waren.

Wir passirten viele Schiffe, unter anderen eine engl. Brigg, welche von Glasgow kam und nach Singapore wollte, sie hatte 137 Tage Reise. Dann eine holländische Bark, welche von Rotterdam kam und nach Batavia wollte und 124 Tage hatte. Am 3. Oct. kamen dicht an der Küste von Sumatra vorbei, wo wir von einem Pyratenschiffe verfolgt wurden und uns bald einholte, da der Wind ziemlich schwach war. Da die Pyraten, jedoch sahen das wir Waffen an Bord hatten und wir ihnen einige Kanonenschüsse zugesandt hatten, ließen sie von der Verfolgung ab.

Am 4. Oct. kam eine große Menge Maleyen mit ihren Böten an Bord und allerlei Früchte wie Cocusnüsse, Bananen, Pisangs, Ananas, dann Affen, Reisvögel, Papageien und viele andere Sachen zum Verkauf oder Vertausch ausboten. Gegen Abend ankerten wir dicht an der Küste von Java in der Nähe des Leuchtthurmes von Anjer. In der Nacht bot sich uns ein herrlicher Anblick dar, die Küste, an welcher sich
hohe bewaldete Berge hinzogen, war nähmlich von unzähligen Feuern und Lichtern der Eingeborenen erleuchtet.

Die wilden Thiere wie Panter, Jaguars, Hyänen, Affen, Papageien und viele andere ließen ihr Geschrei durch die stille Nacht erschallen. Am 5. Oct. lichteten wir wieder die Anker und setzten alle Segel bei. Der Wind war ziemlich ruhig. N.O. war Cours. Land außer Sicht.

Am 6. Oct. sprachen wir eine engl. Bark an, welche von London kam und nach Singapore bestimmt war, nachdem sie mehrere Tage in unserer Nähe gewesen war, und erhielten, da wir dem Captain derselben mittheilten das unser Wasser alle war, frisches Wasser von derselben, und kam mit seinem Bote bei uns zum Besuch an Bord. Am 8. Oct. sahen wir Wasserhosen ganz in unserer Nähe und wir fürchteten von denselben überfallen zu werden aber sie verzogen sich bald wieder. Nord ist Cours.

Auszug aus dem “Verzeichniß der See–Leute welche im Jahre 1860 gemustert haben” (Ouelle: Staatsarchiv Bremen) www.staatsarchiv-bremen.de

Am 9. Oct. erblickten wir ein Wrack auf einem Riffe sitzen, von welchem nur das vorder Theil und die gekapten Masten aus dem Wasser ragten. Am 10. Oct. passirten wir die Insel Banka, der Wind war ziemlich stark und günstig. N.W. ist Cours.

Am 12. Oct. erhob sich ein Orcan welcher uns so geschwind überfiel das wir nicht Zeit hatten alle Segel festzumachen und so wurden uns mehrere zerrissen. Am 13. Oct. erblickten wir die Insel Bintang und der Wind wurde günstig. Nachmittags feuerten wir eine Kanone,
ab um einen Lootsen zu erhalten, welcher auch schon nach einiger Zeit an Bord kam. Am Abend erblickten wir den Leuchtthurm von Singapore, und kamen am anderen Morgen am 14. Oct. auf der Rehde von Singapore an, machten die Segel fest und legten uns vor Anker.

Nachdem wir das Schiff in Ordnung gemacht hatten, kamen eine Menge Böte zu uns und es stiegen Malayen, Chinesen, Bengalen, Europäer u.s.w. mit ihren Waren an Bord. Nachdem der Captain mit mehreren Herren in einem Boote nach der Stadt gefahren war, um seine Geschäfte auszumachen, kam er am Nachmittag mit den Hafenlootsen wieder an Bord, und gab Befehl die Anker zu lichten und einige Segel los zu machen, um in den Neuen Hafen einzusegeln. Am 15. Oct. wurden wir durch Eingeborene an die Werft bugsirt, wo wir, nachdem unser Schiff vom Strome gefaßt, einige mal fortgetrieben wurde, unser Schiff fest machen konnten und das löschen der Steinkohlen durch Chi-
nesen bewerkstelligt wurde, welches sieben Tage anhielt.

Nachdem wir die Takelage, die Segel und was sonst nicht in gutem Stande war, nachgesehen und reparirt hatten, erhielten wir am 29. Oct. Ballast, welcher uns in den Sandböten von Eingeborenen gebracht wurde. Es kamen auch viele derselben mit ihren Waaren und Seltenheiten an Bord welche wir für alte Stücke Zeug oder Geld eintauschten.

Am 30. Oct. beredeten mich einige Matrosen von einer amerikanischen Fregatte mit ihnen nach Galvestown zu segeln, wohin sie bestimmt waren. In der Nacht wollten 2 von unseren Matrosen u. ich die Desirtierung ausführen, was uns aber nicht gelang, sondern von Obersteuermann entdeckt wurden. Am 4. Nov. verließen wir, nachdem wir alles in Ordnung gebracht hatten, mit günstiger Briese Singapore. Am 6. hatten wir eine starke Böh welche an Heftigkeit den schwersten Sturm übertraf. Da wir die Gasparstraße nicht passiren konnten, steuerten wir Ost und durchkreuzten die Carimatas Passage.

Nachdem wir mehrere Tage auf der Binnenrehde gelegen hatten mußten wir wieder hinaus auf die Außenrehde wo der Ballast durch eine Menge Malayen gelöscht wurde. Als dieses geschehen war segelten wir wieder nach der Binnenrehde und nahmen unsere Ladung über, welche in Kähnen zu uns gebracht und von mehreren Malayen gestaut wurde. Die Ladung bestand aus: Zucker, Arack, Reis, Caffee, Fellen, Taback, Kannel, Kohr, Chinesische und Japanische Produkten u.s.w.

Da der Untersteuermann krank geworden und an Land ins Hospital gekommen war, mußten wir noch mehrere Tage auf der Rehde von Batavia liegen um den Steuermann mitzunehmen, als derselbe aber nicht wieder besser wurde, verließen wir am 9. Januar Batavia. Da wir aber Windstille hatten mußten wir uns nochmals bis zum anderen Morgen vor Anker legen. Am 10. Januar, als der Wind günstig war, lichteten wir die Anker um direkt nach Bremen zu segeln.

Am 11. Januar passirten wir St. Nicolaus Point und mehrere mit schönen Urwäldern bedeckte Inseln. Am 12. Januar passirten wir Anjer und dann Oracatan und Celipoc, sehr günstige Briese und hatten die Sundastraße bald hinter uns. S.S.W. ist Cours. Am 14. Januar passirten wir die Christmas Insel, vor dem Winde, das Schiff machte 13 Meilen in der Wache.

Am 19. brachten wir 10 Faden Ankerkette nach dem Hintertheil des Schiffes um demselben eine bessere Lage zu geben. Am 20. Januar hatten wir mehrere starke Böen aber am folgenden Tage wieder günstigen Passatwind, welcher uns ziemlich schnell vorwährts brachte und hofften schon auf eine schnelle Reise.

Am 3. Februar hatten wir harte Briese so daß wir mehrere mal das Vorbramsegel festmachen mußten, bald wurde der Wind aber wieder besser. W.S.W. ist Cours. Am 10. Feb. fingen wir einen Schweinsfisch, hatten viele Vögel und Fische ums Schiff und befanden uns auf 53° südl. Breite und 39° östl. Länge auf der Höhe von Madagaskar. Am 15. Feb. hatten heftigen Wind so das die Marßsegel dicht gerefft werden mußten. Am nächsten Tag legte sich jedoch der Sturm und der Wind wurde günstig und das Schiff lief durchschnittlich 6-8 Meil. S.W. ist Cours.
Am 13. Feb. bekamen wir Cap der guten Hoffnung in Sicht, starke Briese viele Seevögel ums Schiff. Am 20. hatten wir das Land wieder aus Sicht und das Schiff lief 3-8 Meilen vor dem Wind. In den nächsten Tagen hielt die günstige Briese an und steuerten N.N.W.

Am 2. März wurden die Anker und Ketten in Ordnung gebracht. Am 4. morgens erblickten wir die Insel St. Helena welche wir anliefen um frisches Wasser einzunehmen da unseres schon sehr verdorben war. Nachdem wir an der Küste entlang gesegelt waren, gelangten wir auf der Rehde an, wo wir das Anker fallen ließen, auf 12 Faden Wasser 45 Faden Kette, felsigen Grund mit etwas Schlick bedeckt. Die Insel ist sehr hoch und felsig und von allen Seiten steil aus dem Meere emporsteigend und sehr stark befestigt.

Der sogenannte “Bielbrief” der Thusnelda, unterzeichnet vom Präsidenten des Senats Duckwitz.

Wir legten grade vor die kleine Stadt Jamestown, welche auf der Nordseite in einem Thale von steilen hohen Felsen an einer kleinen Bucht liegt. Es lagen viele englische, französische und holländische, spanische und viele andere Schiffe auf der Rehde so wie auch einige Sclavenfahrer, welche von den englischen Kriegsschiffen genommen waren. Nachdem wir frisches Wasser und andere Erfrischungen an Bord genommen hatten lichteten wir am 3. März die Anker und stachen in See, wobei wir mit einem holländischen Vollschiff in Collosion geriethen und unser Klüberbaum nebst der vorder Bramstange gebrochen wurde. N.N.W. ist Cours. Bis auf die Höhe der Insel Ascension mußte N.z.W. gesteuert werden. Leichte aber günstige Briese. Viele fliegende Fische auf Deck.

Am 14. März passirten wir die Linie auf der Höhe von S. Paolo. Wir hatten viele Vögel und Fische ums Schiff, auch mehrere Haifische, welche uns mehrere Wochen verfolgten.

Am 18. fingen wir einen Haifisch, welcher unter fröhlichem Gesang auf Deck gehißt wurde. N.O. ist Cours.

Am 20. März hatten wir ungünstigen N.O. Passatwind und uns zurücktrieb, mehrere Segel mußten festgemacht werden. Bis zum 9° nördlicher Breite und 30° westl. Länge hatten wir einigermaßen guten Wind, aber am 27. hatten wir Windstille welche über 14 Tage anhielt. Das Schiff war sehr stark mit Muscheln und Seegewächsen bedeckt, welche den Lauf desselben hemmten. Die Hitze war sehr groß so daß wir das Schiff alle zwei Stunden mit Wasser begießen mußten und Zelte ausspannen. N.N.O. ist Cours.

Am 13. April fingen wir einen großen Schweinsfisch 7 Fuß lang, welchen wir mit Behagen verzehrten, da wir lange kein frisches Fleisch gehabt hatten. Es erhob sich eine schöne leichte Briese welche bald an Stärke zunahm. Passirten viele Schiffe.

Am 14.,15. u.16. Apr. hatten wir starken Sturm. Das Schiff nahm viel Wasser über, welches gewöhnlich in starken Sturzwellen auf Deck fiel und viel Schaden auf demselben anrichtete. 3 Fuß Wasser im Raum, die Pumpen mußten alle Wache lenz gepumpt werden, Schaden an der Reling, Segel und Takelage. Der Wind wurde, nachdem der Sturm vom 19. April nachgelaßen hatte, immer östlicher und mußten kreuzen bei dem Winde. N.O. ist Cours.

Am 25. April, hatten wir Ost-Wind. Schon trieben wir drei Wochen umher und mußten fortwährend kreuzen. Die Briese war zwar immer handig, aber sehr ungünstig.

Am 30. Apr. noch immer Ost Wind, waren 110 Tage von Batavia in See. Am 1. Mai befanden wir uns auf 47° nördl. Breite und 12° 12 min. östl. Länge, O. z. S. liegt an. Am 2. sprachen wir 2 Schiffe, 1 Brigg und 1 Schouner an, erstere kam von Alexandria und wollte nach Falmouth, letzterer kam von Palermo und
wollte nach Hamburg, beide hatten 30 Tage Reise von Gibraltar. Das Wetter war ruhig und klar. Der Wind schlug um. Am 7. Mai kam südwestliche Briese auf. Cours liegt an, lief aber nach kurzer Zeit nach Süd Ost. Viele Schiffe in der Nähe, mußten alle zwei Stunden wenden.

Am 9. Mai harte Briese, die Marßsegel mußten dicht gerefft werden, in der Nacht nahm der Wind zu und das Schiff nahm viel Wasser über. In der nächsten Nacht bemerkten wir, daß das ganze Schiff plötzlich erhellt wurde, welche Erscheinung sich niemand erklären konnte.

Am 12. und 13. Mai legte sich der Sturm, und wir bekamen Windstille. Wir sprachen mit einem amerikanischen Vollschiffe, welches von New Orleans kam und nach Hause wollte, dasselbe hatte 53 Tage Reise. Am 14. Mai erblickten wir einige Fischerböte und da wir gern etwas Fisch haben wollten, so wurde gewendet und dem nächsten Fischerboote eines unserer Böte ausgesetzt um einige Fische und sonstige Erfrischungen zu holen. Nachdem unser Boot wieder mit einer Pütz voll Fische, einer Pütz voll Kartoffeln und einem Korb voll Eiern an Bord war, wurde gewendet und segelten unseren Cours weiter.

Am 15. Mai ziemlich günstige Briese, O.S.O. liegt an. Viele Schiffe in der Nähe. In der Nacht hatten wir sehr dunkles und nebeliges Wetter und mußte deshalb scharf ausgeguckt werden, um nicht mit anderen Schiffen in Colosion zu gerathen.

Am 16. wurde es wieder klarer aber die Briese auch flauer. Nachmittags kamen einige englische Fischerböte auf uns zu und legten Langseit an. Wir befanden uns vor dem Canal in der Nähe von Lisart. Am Abend um 11 Uhr erblickten wir die beiden Feuer von Lisart in der Nähe von Falmouth und konnten gegen Morgen die Küste von England deutlich erkennen.

Am 17. Mai noch immer flaue Briese. Das Schiff lief 2-3 Meil. Schönes Wetter, sprach die Bremer Bark “Merry” welche von Baltimore kam und auch nach Bremen wollte, wir wollten gern näher an dieselbe herankommen, was uns aber nicht gelang, da unser Schiff rascher segelte, und am Abend war sie kaum noch zu sehen.

Philipp Haarstick im Alter von etwa 22 Jahren

Philipp Haarstick im Alter von etwa 28 Jahren

Am 18. Mai harte Briese aus Osten, 2 Reeben in die Marßsegel, mußten kreuzen. Ost ist Cours. Am 19. Mai wurde es wieder stiller und die Segel wurden wieder beisetzt, noch immer ungünstige Briese, hatten viele Schiffe in unserer Nähe unter anderem auch den Lootskutter von East Point. Am Abend passirten wir Start Point mit den hohen Leuchtthürmen und befanden dicht an der Küste.

Am 20. Mai hatten wir ziemlich starke Briese und das Schiff lief 5-6 Meil., passirten die schöne Küste von Portland mit den beiden weißen Feuerthürmen. Am 21. Mai wurde die Briese flauer aber mehr günstiger (vor dem Winde).

Am Abend bekamen wir die Insel Wight in Sicht mit 2 Leuchtfeuern in Sicht. Der Wind war günstig und ziemlich stark. Am 22. Mai war den Morgen das Land aus Sicht, mußten aber Nachmittags schon wieder nach demselben aussehen, welches wir auch bald in Sicht bekamen, und erkannten bald einen Feuerthurm und die hohe felsige Küste von Dover, wo wir dicht anher segelten.

Am Abend sahen wir die beiden hellen Feuer von Süd Foreland, das Feuerschiff, das Blinkfeuer von Calais und das Feuer von Nord Foreland. Die Briese war günstig, das Schiff lief 6-7 Ml. Um 12 Uhr nachts hatten wir die Straße von Calais bereits hinter uns und befanden uns so mit in der Nordsee. Am 23. Mai hatten wir starken Nebel, so daß wir blasen und scharf aussehen mußten, die Briese wurde ungünstiger und flauer.

Gegen Abend waren wir nahe daran mit einem anderen Schiff in Collosion zu gerathen. Am Morgen des nächsten Tages hatte sich der Nebel verzogen, die Briese wurde wieder stärker und alle Segel beigesetzt. Das Schiff lief 4-5 Ml.

Als wir uns in der Nähe von Texel befanden wurde das Loth ausgeworfen und hatten 15 Faden Wasser, nach einer lh Stunde 12 Faden, darauf l0 1/2 Faden. Um 3 Uhr Nachmittags kam der Bremer Lotskutter auf uns zu und der Lootse kam an Bord. Als derselbe nach dem Kompass sah lag O.S.O. an. Mußten wenden damit das Schiff nicht auf Grund lief. Starke Briese.

Am 25. Mai hatten wir in der Nacht ein Gewitter. Das Schiff lief 9-10 Ml. und wir befanden uns bald vor der Weser. Am Morgen mußten wir nach dem Leuchtthurm von Wangerooge aussehen, welchen wir auch bald in Sicht bekamen. Die Anker wurden in Ordnung gemacht und die Ketten auf Deck geholt. Um 11 Uhr vormittags waren wir bei der ersten Tonne, also schon in der Weser, bald sahen wir das Feuerschiff, dann den Leuchtthurm und endlich die Küste von Deutschland und Bremerhafen welches mit seinen vielen hohen Schiffsmasten weithin sichtbar war. Nachdem wir auch die Baken passirt hatten, warfen wir auf der Rehde die Anker aus, da wir nicht wegen der Ebbe in den Hafen einlaufen konnten.

Am 26. Mai Sonnabend am Morgen wurden die Anker aufgewunden, die Segel loß gemacht und die Flagge um einen Schlepdampfer zu erhalten aufgehießt, dieser kam dann auch, nachdem einige Stunden verfloßen waren, und der große Schrauben-Dampfer “Bremen” erst in den Hafen bugsirt werden mußte, und wir gelangten noch vormittags im Hafen an. Nachdem wir unser Schiff festgemacht und alles in Ordnung gebracht hatten, wurden wir, außer den Leichtmatrosen und einem Schiffsjungen, welche mit dem Obersteuermann an Bord bleiben mußten, bedankt, und ließen unser Gepäck nach dem Dampfboote bringen, welches uns am anderen Morgen nach Bremen hinauf bringen sollte.

Nachdem wir alle den Abend bis spät in die Nacht heiter und vergnügt zugebracht hatten, logirten wir bei einem Gastwirthe. Am Morgen des 23. Mai um halb 6 Uhr fuhren wir mit dem Dampfboote “Paul Frid. August” nach Bremen, wo wir um halb 12 ankamen.

Ph. H.